China LUMEN – Lichtmess ist jeden Tag…

Worum geht es?

Es geht um Taschenlampen.
Genauer: Um Verarsche bei Taschenlampen und Qualitätsansprüche. 

Bei Amazon und andere großen Marktplätzen fallen seit einigen Jahren Produkte aus Fernost auf, die das Unmögliche zu schaffen scheinen: Erschwingliche Preise werden mit Höchstleistungen gepaart.

Das ist im Prinzip ja das, was die Chinaprodukte weltweit beliebt macht: Die Qualität wird am Preis gemessen und paart man das auch noch mit einem Bonusprogramm, bei dem Benutzer gerne Markplatzgutscheine erhalten, wenn sie eine positive Bewertung abgeben, dann wird aus einem: „Hat schon einige Mängel“ rasch ein: „Gut“. Ich möchte aber auch betonen, dass es in der Tat den meisten so geht, dass sie mit dem Gebotenen der Taschenlampe durchaus zufrieden sind, da das Gebotene als ausreichend empfunden wird. Mit der Leistung einer ernstzunehmenden Taschenlampe (fortan TL genannt) haben die wenigsten Kunden etwas zutun, weil diese schnell die Frage aufkommen lassen: „Ist der hohe Preis legitim? Brauche ich so viel?“ – Nun: Kommt drauf an!

Allgemeine Ansprüche

Wer den Totalausfall einer TL gut und gerne in Kauf nehmen kann, der wird selbstverständlich eine andere Qualität als legitim empfinden (und somit auch einen Preis anzusetzen bereit sein!) als jemand, der sich zu 100% auf seine Taschenlampe oder auch Stirnlampe verlassen muss.

Daher ist ein allgemeiner Tip:

Wer sich auf seine TL oder Stirnlampe verlassen muss, weil eventuell sein Leben davon abhängt, der sollte sich an den Geräten oder zumindest Marken orientieren, die von Feuerwehr, Bergrettung und anderen Profis bevorzugt werden. 

Wer mit der Aussage: „Von einer TL kann Dein Leben abhängen“ nichts anfangen kann, der hat die Frage nach dem, was er wirklich benötigt bereits beantwortet. Ein letzter Satz dazu:

Wem es nichts ausmacht im Winter dann halt im Mondlicht die kaputte Taschenlampe während der Gassirunde nach Hause zu tragen, der hat andere Ansprüche, als jemand, für den das Licht überlebenswichtig ist: Jeder, der sich in einer potentiell gefährlichen Umgebung bewegt, dessen Gefahren er sehen muss, benötigt mehr Qualität. Konkret sind hier Bergwanderer, Lostplacebesucher oder Mountainbiker (Kopflampe) gemeint, die keine Profis sein müssen, um professionelle Qualitätsansprüche an ihr Gerät anzulegen.

Was ist falsch mit den Chinakrachern?

Schauen wir uns allein die versprochenen Merkmale an, so klingen diese überzeugend:

  • Metallgehäuse
  • Wasserdichtigkeit oder zumindest sehr gute -Resistenz
  • lange Leuchtdauer
  • Helligkeiten von einigen ZEHNTAUSENDE (…?…!!!!) „Lumen“

Ohne jetzt gleich die obigen Punkte genauer zu betrachten, einige Punkte, die selten genannt werden:

  • Service
  • Brandschutz und Explosionsschutz des Akkus
  • Langlebigkeit
  • Bedienungskomfort
  • Praxisnähe

Die TL aus China haben oft die Standardform:

Ein Alugehäuse, einfache Gummischluppen schützen normale USB Anschlüsse vor Feuchtigkeit und die Linse kann dank beweglichen Kopf fokussieren. Die Form ist immer länglich und einen Universalhalteklip sucht man ebenso vergeblich, wie sinnvolles Zubehör. Stattdessen werden Adapter auf 3xAAA Batterien beigelegt.

Eigentlich sieht es also nach einem dollen Deal aus, was die einem da so anbieten, oder? JAEIN…

Was ist daran schlecht? Was macht Markenware anders?

  1. Die USB Abdeckung schützt eine empfindliche Buchse. Dringt dort Wasser ein, verträgt sich dieses eher nicht mit elektronischen Gesichtspunkten.
    Namhafte Hersteller benutzen solide verschraube Abdeckungen oder setzen auf spezielle Ladelösungen, wie induktives Laden oder Laden über Magnethalter, deren Flächen auf der TL die leicht zu säubern sind und sehr unempfindlich gegen Korrosion.
  2. Namhafte Hersteller bieten selten eine Fokussierung an, die bewegliche Teile am Kopf schwer abzudichten sind. Meistens werden für „FLOOD“ schlichtweg andere LEDs benutzt und statt nur einer „Linse“ mehrere in einem Glas integrierte. Dies hat zudem den Vorteil:
  3. Ausfallsicherheit: Wenn eine Sport-LED, die eventuell nur einmal oder zweimal vorhanden ist, durchbrennt (was geschehen kann bei hoher Dauerbeanspruchung, meistens droht der thermische Tod) – Dann kann auf einen Ring aus vielen LEDs umgeschaltet werden, die dennoch Licht liefern, wenn auch nicht so weitreichend. Eingebaute Redundanz, aber:
  4. Um auch nur halbwegs „brachiale“ Helligkeit zu dem Preis zu generieren, den die Chinakracher aufrufen, werden die meist No-Name LEDs (die immer auch eine Bezeichnung erhalten, die sehr an Markenware erinnert… aber keine ist!) am absoluten Limit gefahren. Dies drückt sich dadurch aus, dass sehr hohe Toleranztemperaturen eingestellt sind, bevor die TL dann meist sehr, sehr deutlich die Helligkeit reduziert. Auch lassen sich die TL gerne neu in den absoluten Grenzbereich bringen, wenn man einfach wieder drückt: Es sind nämlich oft gar keine Temperaturerfassungen vorhanden – Man regelt nach Zeit runter und schreibt in der Anleitung: „Lassen kühlen ab, wenn geringleuchtet hat für 5 Minuten“ – Tut man dies nicht, können Verbrennungen folgen oder die Lampe geht einfach kaputt. Es muss nicht erwähnt werden, dass namhafte Hersteller hier auf Schutz setzen und zwar für Mensch und Gerät.
  5. Explosionsgefahr: Akkus sind das Zünglein an der Wage. Eine Hochleistungslampe entnimmt dem Akku, der in der Regel eine Spannung von 3,7 Volt liefert und selten auf 7,4V aufsetzt, gerne über 10A Strom. Wir sprechen also davon, dass eine kleine Metallröhre in der Hand auch bei den billigen Lampen mal eben an die 50Watt bereitstellen müssen und diese Leistung durch Halbleiter fließt, die stets Verluste haben, also von diesen Werten einiges an Wärme umsetzen. Das wird schlichtweg heiß… vor allem wenn Halbleiter einfach aus dem Regal gegriffen werden und eine Charge von zehntausenden TL gebaut wird – Ist ein „Fach“ leer, wird einfach mit ähnlichen Halbleitern bestückt und wenn es leuchtet, ist die Qualitätssicherung abgeschlossen – Geht doch!
    Natürlich arbeiten namhafte Hersteller hier völlig anders und zertifizieren ihre Geräte sogar und so eine Absicherung, nämlich dass Sicherheit und Schutz gewährleistet sind, geht nicht, wenn man eine hohe Bandbreite an verschiedenen Halbleitern bestückt. Für jeden „Ersatz“ muss nämlich neu geprüft werden… also: Müsste. Die einen tun es und werden teurer und die anderen unterlassen es halt.

Was ist daran sogar Betrug?

Es scheint nicht nur „beschönigende“ Chinawatt bei Verstärkern zu geben, sondern auch „Chinalumen“. denn nehmen wir mal eine typische Funzel her:

BEYSTE, mit angeblich „XHP 100.2“ LED, die mit 60Watt Leistungsentnahme aus einem No-Name-Akku 50.000 Lumen zaubert und das bei einem Preis von 44 Euro, minus einem Sofortrabatt von 20%.

Ja, bin ich denn bescheuert da das Angebot von Olight wahzunehmen, die mir gerade 7000 Lumen bieten mit der Marauder Mini und für „so ein wenig Licht“ dann noch feiern, dass der Preis von über 250€ gerade auf knapp 160 reduziert werden konnte?!

Na ja… also: Mit der LED XHP 100.2 fühlt man sich an den Hersteller CREE erinnert, natürlich auch in China produzierend, aber DER Zulieferer von Hochleistungsled für namhafte TL-Hersteller.

Es gibt aber keine „CREE XHP 100.2“ – Es gibt die „CREE XHP 70.2“ und die leistet mit 3,7V und 18,6A (Wir rechnen mal kurz: das sind über 60 Watt!) einen Lichstrom von gut 5500 lm (Lumen):

(QUELLE: XLamp Portable LEDs Feature Sheet (cree-led.com) )

Niemand hat geschrieben, dass es sich um eine CREE LED handelt, nicht wahr?

Korrekt. Ich finde diese Praxis schon mal unlauter, da hier wissentlich inszeniert wird: Es gibt da neben der bereits wirklich guten XHP70.3HI noch einen „ganz heißen Shit“, nämlich eine 100er… eigentlich hätten sie konsequenterweise ihr Plagiat „1000er“ nennen sollen, denn das ist es ja, was sie versprechen und nein: Sie halten es nicht, dieses Versprechen. Ach ja: Die 5500 Lumen des Markenherstellers sind auch nur mittels „Overdrive“ zu erzielen für sehr kurze Zeiträume.

Die Realität und die Referenz

Die Marauder MINI von Olight kommt mit einer LED aus, der XM-L2 von CREE. Sie ist die Marktweit derzeitig hellste LED und bietet pro Watt 100 Lumen, was also einem Leistungshunger von 70 Watt (!!!) für einen reproduzier- und messbaren Lichtstrom von 900lm entspricht. Dazu setzt Olight einen speziellen Akku ein, ein besonderes Derivat der 32650 Klasse mit 36Wh ein.

Das bedeutet: Die 900lm in der Spotfunktion wird für 3 Minuten geleistet. Dann fällt der Wert automatisch auf 360lm ab und am Ende sind nochmal 30 Minuten bei 180lm Gangreserve eingeplant. Die halbe Stunde „Sicherheit“ am Ende bei eventuell noch ausreichender Helligkeit sind für Skipper auf Booten nicht uninteressant, die einen Scheinwerfer für die Liegeplatzwahl brauchen.

Aber die Marauder Mini wird doch auch mit 7000lm beworben… ich spreche von 900lm?!

Genau! die SPOT Funktion wird durch eine einzige LED bewährleistet und diese gehört zu den Lichtstärksten am Markt, nimmt sich 60Watt bei der hohen Lichtausbeute… und das Chinaderivat will mit einer PhantasieLED-Bezeichnung das Wunder vollbringen aus dieser einzigen LED gleich 55 mal so viel Licht auszubeuten? Allein die Akkuleistung müsste dann ein vielfaches betragen – Was absolut absurd ist.

Die Olight Marauder Mini erzeugt die 7000lm in ihrer Weitwinkelfunktion, wo mehrere LEDs angeordnet sind. Diese 7000lm können 2 Minuten lang geleistet werden, dann fällt die TL auf 1050 Lumen zurück, die für 170 Minuten möglich sind. Die Gangreserve am Ende beträgt 70 Minuten lang 700lm.

Die Spitzenleistungen sind also ein wahrer KRAFTAKT!

Was leistet die TL aber in normalen Gefilden?

800lm Flutlicht können für knapp 5 1/2 Stunden aufrecht erhalten werden. 300lm Spotlight sin 7 Stunden lang möglich.

Ein Moonshinemodus fehlt, bei 50lm Spot sind knapp 44 Stunden lang Licht zu erwarten. Diese 50 Lumen reichen dann im Spotlight 140m weit. (Je nach Augenqualität und Anpassung an die Dunkelheit).

Eine Zertifizierung nach IPX8 liegt vor.

Die Ausleuchtung macht es!

Die Billigen Lampen projizieren wie folgt: Innen ist es sehr, sehr hell und nach außen hin nimmt die Leuchstärke ab. Das ist im Prinzip immer so, aber die Güte einer TL lässt sich daran ermessen, eine möglichst große Fläche mit möglichst großem Lichstrom auszuleuchten. Eine Fläche, das ist ja etwas, was zweidimensional ist: Eine Fläche ist also „A mal B“ in Meter und wenn ein Leuchtmittel haben, welches eine Fläche von 1×1 Meter so ausleuchtet, dass wir überall z.B. die 7000 Lux messen, können wir als Merkmal 7000 Lumen angeben, denn:

Ein Lumen ist 1 Lux auf einer Fläche von 1×1 Meter.

Fokussiere ich nun so, oder baue mir die Linse, dass ich in der Mitte messe und auch dort den gesamten Fluss konzentriere… so erhalte ich Messtechnisch höhere Werte, die aber nichts mehr mit Lumen zutun haben. Übertreibt man dies, hält man das Luxmeter einfach direkt an die Funzel… mit Abstriche messen wir dann fast schon die Lichtleistung des Leuchtmittels in Lux – Aber das hat halt nichts mit Lumen zutun und vor allem: Selbst dann erzeugt keine LED eine Leichtleistung von teilweise bei Chinaprodukten angegebenen 50.000 Lux… die dann auch noch als Lumen ausgegeben werden. „Och… da haben wir uns wohl in der Einheit vertan!“

Was würdet ihr sagen, wenn euer Auto angepriesen wird: „Benötigt 4,9 Liter auf 100 km“. Sich dann herausstellt: Okay, es sind aber 4,9 Liter Öl…?! „och, da haben wir uns wohl vertan… Diesel, Öl… irgendwas Fossiles halt!“.
Das geht so nicht. Was die Zeiten angeht, wie lange also  die billigen Chinalampen wie viel Licht erbringen, lässt sich nicht finden und das aus gutem Grund. Auch auf der Packung, also im Lieferumfang gibt es keinerlei Schriftzug, der die hohe Lichtausbeute beschreibt… es gibt keine angaben zu den Leistungen.
Aber ist das relevant?

Braucht man teure Taschenlampen?

Es gibt im Wirrwarr der Hersteller Lampen in unterschiedlichen Segmenten. Meine Favoriten:

  1. Wenn es drauf ankommt (Bergwanderung, Stollenbegehungen, …) PETZL (CORE) mit Akku ca. 100€
  2. Wenn ich etwas mehr sehen muss (Stellplatzausleuchtung, Suchaktionen, Gefahrenabwehr oder erste Hilfe) OLIGHT (MARAUDER) 220€
  3. Wenn ich just for Fun dennoch eine Verlässliche Lampe brauche: SOFIRN (IF23) um die 50€

Die Olight ist die teuerste Lampe, eine MARAUDER MINI, die sehr große Flächen hell ausleuchtet. Ja, eine MARAUDER (nicht Mini…) wäre noch lieber, aber dann liegen wie bei fast 500 Euro und es gibt Grenzen, wo ich meine Grenze ziehe. Wo es nie einen Kompromiss gab: PETZL CORE. Sie ist recht teuer, aber: Noch NIE hat mich eine PETZL in Stich gelassen – NIE! Ob mich meine günstigste (40€ im Angebot, gemessene 3500 Lumen, COB-Seitenstreifen, also breites Licht mit 500 lm weiß und RGB Farbspielerei COB als Seitenlicht, aber unter 100lm) … nochmal: Die SOFIRN IF23 ist ein kleiner Geheimtip – Aber: Ob sie sich im Laufe der Zeit behaupten wird? Seit einem Jahr tut sie es jedenfalls und macht aufgrund ihrer Vielseitigkeit einfach nur Spaß. Würde ich sie aber mitnehmen, wenn es auf Expedition geht? Klar, wenn auch die PETZL dabei ist! Geht es um die Wurst, also ob meine noch am lebendigen Körper hängt oder nicht: PETZL und PUNKT. Meine Erfahrung. Da muss OLIGHT als relativ neuer Player (Ich bin ja Fossil mit 50…) sich erstmal beweisen.

Keine der Firmen sponsort mich in irgendeiner Form.

Daher auch die klare Aussage: Es kommt drauf an, was man braucht! Daher sollte zuerst ermittelt werden, WAS genau man braucht und wie viel man sich leisten will oder kann.
Alle Lampen machen mehr oder weniger Licht und halten mehr oder weniger lang und sind mehr oder weniger zuverlässig. Wenn ein Produkt sehr, sehr günstig ist und Wunder versprochen werden, dann sollte man aber hellhörig werden. Warum eine Marauder Mini über 200 Euro kostet und eine Chinafunzel für unter 20€ zu haben ist, kurzum: Dieser Faktor 10 hat Gründe und die muss man nicht miteinander vergleichen. Wichtig für euch ist zu wissen, dass es wirklich gute Lampen gibt, die zwar mit 50 Euro 2,5 mal so teuer sind, wie die billigen Chinakracher – Aber die am Ende auch abliefern, was beworben wird. Sehr empfehlen kann ich die SOFIRN IF23.

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